_k3a5564

BADEGÄSTE
eine vorsätzlich oder fahrlässig herbeigeführte Strandung ist strafbar, es sei denn, durch diese Strandung kann die Unternehmung samt Besatzung vor dem Untergang gerettet werden.
Ein aufgelaufenes Vehikel in Veddel wird zum Ausgangspunkt für künstlerische Interventionen, ein Raum für Begegnungen -auch mit Menschen- wird geschaffen. Die Verwertbarkeit der Ladung bleibt unbestimmt. Unsere Kunst im öffentlichen Raum ist befreit von eindeutiger Lesbarkeit. Sie bewegt sich zwischen Architektur, Sportevent, Labor und Baustelle, zwischen Werbung und  Unfall.
Ein mutierter LKW ist unsere Interpretation von urbaner Raumschaffung, durch Ausstülpung wird er selbst zur Skulptur, zum scheinbaren Kunstobjekt.
Ein mobiles, belebtes Denkmal für die ungenierte Aneignung des öffentlichen Raumes. Ein Raumschiff auf Rädern, das zum Knotenpunkt unserer Interventionen wird.
In der Seemannssprache bezeichnet man mit dem Begriff “Badegäste” jene Gäste, die bei einer Schiffahrt an Bord keine Aufgaben übernehmen. Wir verstehen uns als Gäste, die eingeladen wurden, sich einer Öffentlichkeit auszuliefern. Wir wollen gesehen werden und in Kontakt treten, irritieren und inspirieren. Wir wollen erkunden und Grenzen ausreizen, vereinnahmen und uns breit machen.
22.6. – 28.6.2015, Wilhelmsburger Platz, Veddel,  Hamburg
Ein Projekt von “STADTKURATORIN HAMBURG”
mit Studierenden der Kunstuni Linz und der HFBK Hamburg.

 

stadtkuratorin-hamburg.de/educating/tor-zur-welt-mobile-architektur/kapitel-1/
stadtkuratorin-hamburg.de/speakers/TZW_badegaeste/

stadtkuratorin-logo

_k3a5518

_k3a5505

_k3a5585

_k3a5340

_k3a5394

tzw_badegaste_installation_4melanieludwig

tzw_badegaste_installation_2melanieludwig

_k3a5232

Fotos by Stepha K. Farkashazy
artists:
Robinson Stärk, geboren 1985, versucht sich gerne als Herr von Modellwelten und experimentiert mit dem Eigensinn des Lebendigen. Da es kein Außerhalb von Narration gibt, gilt es Raum für eine „ecriture organique“ zu lassen. Logisch: No space is innocent.
Stepha K. Farkashazy, geboren 1982, bewohnt die „thick margins“ zwischen Wissenschaft und Kunst. Als Schwellenreiterin arbeitet sie vom Bewusstsein aus, dass jedes Medium ein Speichermedium ist, nicht zuletzt die dichte Lehrstelle künstlerischer Positionalität selbst: staying sane in the membrane.
Felix Pöchhacker ist Bildhauer bzw. progressiver Maler. Dabei mag er kein plastisches Geschrei und interessiert sich mehr für die Arbeit am Eigengewicht von Antagonismen und der Reorganisation von materieller Historizität: Auch ein Beton-Abguss ist ein Palindrom und Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich.
Rebekka Hochreiter arbeitet am liebsten intuitiv und experimentell, was beides Synonyme für andere Rationalitäten sind. Den Widerspruch entdeckt sie genauso in PU-Schaum wie in schwimmenden Dörfern; außerdem findet sie es pervers, wenn ein gut ausgearbeitetes Foto 100 Euro kosten muss: Exuberance is beauty.
Elke Kiewegs Mörder sprechen eine gute Prosa, weshalb sie lieber visuelle und situative Lyriken schafft: At the end, its all white.
Melanie Ludwigs Lieblingstitel einer eigenen Arbeit ist „ohne Titel“, am künstlerischen Diskurs interessieren sie am meisten die unterschiedlichen Gesichtspunkte. Wobei: Sommersprossen sind auch nur Gesichtspunkte.
Moritz Matschke interessiert sich für performative Miniaturen, die auch überproportional ausfallen dürfen. Gegenwärtig arbeitet Matschke unter anderem  zum Pädagogischen zwischen Antonio Gramsci und Jacques Rancière. Ein Hirn wäscht das andere und beide bleiben schmutzig.
Evelyn Wallner haben es die Multidimensionalitäten menschlicher Existenz, Reflexivität und Diskursivität angetan. Alles zu sagen ist das Geheimnis der Langeweile.
Claudia Keil schätzt figurative Ensemble aus dorsaler Perspektive, Farben und Atmosphären, die das Ausharren in melancholischer  Vertrautheit zulassen. Dabei müssen schlichte Dorflandschaften und blöde Fertighäuser nicht stören, im Gegenteil. Es gibt’s kein Draußen: Du bist Teil der Lösung, Teil des Problems oder Teil der Landschaft.
Anna Pech hat weder was für Formalismus noch Inhaltismus über, stattdessen betätigt sie sich lieber als Formschmugglerin. Fährten verwischen und neue legen. (What if anything can justify art?) Die Routinen der Kritik zum Stottern bringen.

 

tzw_badegaste_speakerFoto: Paula Pohle